Was verdient man als Gründer in Österreich? Die Ökonomie des Risikos
Die Frage nach dem Gründergehalt in Österreich kann nicht mit einer einfachen Zahl beantwortet werden. Die finanzielle Entlohnung ist ein hochdynamisches Konstrukt, das direkt mit dem Risiko, dem Wachstumstempo und dem Kapitalbedarf des jeweiligen Startups korreliert. Gründer akzeptieren in der Anfangszeit eine Phase des Verzichts, die sie gegen die Aussicht auf einen exponentiellen Vermögenszuwachs im Erfolgsfall eintauschen.
1. Die Phase des Verzichts: Pre-Seed und Bootstrapping
In der ersten Phase, dem sogenannten Bootstrapping (finanziert aus eigenen Mitteln) oder der Pre-Seed-Phase (erste kleine Investments von Angel-Investoren), ist das Gehalt des Gründers ein Luxus, der oft gestrichen wird.
- Null-Diät für das Wachstum: Es ist die Regel, dass Gründer in den ersten 12 bis 18 Monaten kein offizielles Gehalt beziehen. Jeder Euro wird stattdessen in die Entwicklung eines funktionierenden Produkts (Minimum Viable Product - MVP) oder die Akquise der ersten zahlenden Kunden investiert.
- Gehaltsniveau: Wenn überhaupt ein Gehalt gezahlt wird, liegt es oft auf dem Niveau eines Mindestlohns oder leicht darüber (geschätzt zwischen € 1.500 und € 2.500 netto pro Monat), um die Lebenshaltungskosten (Miete, Grundbedürfnisse) zu decken.
- Einfluss der Mitgründer: In Gründerteams einigen sich die Partner oft auf ein gleiches, niedriges "Founders Salary", unabhängig von ihrer Funktion. Dies fördert das Commitment und die Gleichheit im Team. Das Gehalt wird dabei häufig durch staatliche Förderungen (z.B. der aws oder der FFG) gestützt, die speziell für Forschungs- und Entwicklungsprojekte konzipiert sind.
2. Die Phase der Stabilisierung: Seed-Runde und Series A
Nach der ersten externen Finanzierungsrunde (Seed) oder der zweiten Runde (Series A) gewinnt das Gründergehalt an Struktur und steigt in Abhängigkeit von der Unternehmensbewertung.
- Marktorientierte Anpassung: Mit frischem Kapital passen Gründer ihre Gehälter an die Grösse des Teams und die Einnahmen an. Investoren erwarten, dass die Gründer motiviert bleiben und sich nicht ständig um ihre private Existenz sorgen müssen, verlangen aber zugleich eine "Founder-Friendly"-Gehaltsstruktur, die das Kapital schont.
- Typische Gehaltsspannen in Österreich (Schätzung):
- Seed-Phase (bis 15 Mitarbeiter): Jahresgehalt liegt typischerweise zwischen € 50.000 und € 80.000 brutto für den CEO.
- Series A (über 25 Mitarbeiter, stabiler ARR): Das Gehalt kann auf € 80.000 bis € 130.000 brutto steigen und ist dann mit dem Gehalt eines mittleren bis oberen Managementpostens in einem KMU vergleichbar.
- Bedeutung des ARR: Die Höhe des Gründergehalts korreliert stark mit dem Annual Recurring Revenue (ARR) des Startups. Je sicherer und höher die wiederkehrenden Umsätze sind, desto eher legitimieren sich höhere Gehälter.
3. Die eigentliche Währung: Equity und der Exit-Traum
Für Gründer ist das laufende Gehalt zweitrangig. Die wahre Entlohnung und der finanzielle Anreiz liegen im Wert der Unternehmensanteile (Equity), die sie halten.
- Verhältnis Gehalt vs. Equity: Gründer tauschen hohes Anfangsrisiko und niedriges Gehalt gegen einen substanziellen Anteil am zukünftigen Unternehmenswert. Während Gehälter linear steigen, hat der Wert der Anteile das Potenzial, exponentiell zu wachsen.
- Vesting-Vereinbarungen: Die Anteile der Gründer unterliegen fast immer einer Vesting-Vereinbarung (typischerweise über vier Jahre mit einem einjährigen "Cliff"). Das bedeutet, die Anteile werden nicht sofort übertragen, sondern müssen über einen bestimmten Zeitraum "erdient" werden. Dies stellt sicher, dass die Gründer langfristig an das Unternehmen gebunden sind.
- Der Exit als Payday: Der finanzielle Durchbruch erfolgt erst im Falle eines Exits (Verkauf an einen grösseren Konzern, z.B. Runtastic an Adidas) oder eines Börsengangs (IPO). Nur dann werden die gehaltenen Anteile in reales Kapital umgewandelt, wobei erfolgreiche Gründer hierbei Millionenbeträge erzielen können.
4. Spezifische Herausforderungen und Vorteile in Österreich
Die Besonderheiten des österreichischen Wirtschaftsraums beeinflussen die finanzielle Situation von Gründern:
- Internationaler Vergleich: Im Vergleich zu den USA oder Hotspots wie Berlin und London sind die Gründergehälter in Österreich oft moderat konservativer angesetzt, was jedoch durch die geringeren Lebenshaltungskosten in vielen Regionen ausgeglichen wird. Österreichische Investoren sind tendenziell zurückhaltender bei der Genehmigung extrem hoher Gründergehälter.
- Talent-Gehälter und Lohnnebenkosten: Hohe Lohnnebenkosten in Österreich bedeuten, dass ein Startup, um Top-Entwickler oder Manager zu halten, hohe Bruttogehälter zahlen muss. Dies setzt das Gründergehalt unter Druck, da die Lohnkosten insgesamt stark ins Gewicht fallen.
- Die FlexCo: Die Einführung der Flexiblen Kapitalgesellschaft (FlexCo) in Österreich hat die Ausgabe von Mitarbeiterbeteiligungen (die oft auch die Gründeranteile betreffen) vereinfacht. Dies macht es attraktiver, über Equity statt über überhöhte Gehälter zu entlohnen und dem "War for Talent" zu begegnen.
Zusammenfassend ist das Gründergehalt in Österreich in der Anfangsphase primär ein Mittel zur Existenzsicherung. Die wahre Ambition und der finanzielle Anreiz liegen nicht im Monatsgehalt, sondern in der zukünftigen Wertsteigerung der Unternehmensanteile, was die Gründerökonomie zu einem Spiel mit extrem hohen Einsätzen und potenziell extrem hohen Gewinnen macht.
Autor: Daniel Herndler